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Rechte "Ballermann-Party" im Raum Aachen

Neonazis aus der Region Aachen veranstalten am Samstag eine in Teilen konspirativ organisierte, jedoch offiziell lizensierte „Ballermann-Party“. Wer sein Eintrittsgeld entrichtet, soll laut Ankündigung ein Freigetränk erhalten, wer „2 Damen“ mitbringt, soll nur den halben Eintrittspreis zahlen müssen und ein Bier werde nur einen Euro kosten. Limbo-Tanz, „Ballermannmode-Kür“ und „Bier-Pong“ stünden auf dem Programm. Klingt nach einer humorvollen Sause, allerdings halten die Organisatoren den Ort bisher aus gutem Grund geheim.

Seit einigen Wochen bewerben der Kreisverband Aachen-Heinsberg der neonazistischen Minipartei „Die Rechte“ (DR) sowie die indirekte Nachfolgeorganisation der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), „Syndikat 52“ (S52), die Party. Sie soll am 21. Oktober stattfinden. „Ballermann-Partys“ darf unter diesem Namen nur veranstalten, wer zuvor eine Lizenz dafür erworben hat. Diese dürfte die DR einige hundert Euro gekostet haben. Daher wirbt man damit, „die offizielle Ballermann-Party“ zu veranstalten, nebst Zusatz, dass man „Lizenzpartner“ einer GmbH ist, die solche Lizenzen eigenen Angaben zufolge auch schon an den TV-Sender RTL und eine Kinofilmproduktion vergeben hat.

Ungeachtet der offiziellen Lizenzierung bewerben DR und S52 die Feier aber größtenteils konspirativ. Als Ort wird nur Aachen genannt, was in der jüngsten Vergangenheit eher bedeutete, dass die rechtsextremen Treffen im benachbarten Kreis Heinsberg stattfanden. Wie in der Szene üblich, sollen Interessierte am Tag selbst erst über eine spezielle Rufnummer oder via Messenger erfahren, wo die „Ballermann-Party“ gastiert. Ansonsten wirbt man damit, das Publikum werde „ausrasten“ und die Feier münde in einen Gute-Laune-„Ausnahmezustand“. Erreichbar sei die Party über eine „gute Bahnverbindung“, und bei der Anreise auch überregionaler Neonazis gebe es sicher schon eine „nette Atmosphäre in menschengetränkten Wagons“.

Rechtsextremisten hatten in diesem Sommer auf der Ferieninsel Mallorca und in den Party-Lokalen „Bierkönig“ und „Ballermann“ für Schlagzeilen gesorgt. Ob die nun für den Raum Aachen angekündigte „Ballermann-Party“ auch damit im Zusammenhang steht und als neuerliche Provokation oder Häme gedacht sein soll? Den „Aachener Nachrichten“ und der „Aachener Zeitung“ sagte die Polizei, die Ankündigungen aus dem rechten Spektrum seien bekannt, ein konkreter Ort indes bis gestern nicht.

S52 bewirbt die Party als „geschlossene Gesellschaft“. In Diskussionen unter Interessierten wurde angedeutet, der Eintrittspreis solle 20 Euro betragen. Strategisch dürfte die Feier zum Konzept passen, dass Neonazis sich heute weitaus moderner, hipper und cooler präsentieren wollen, als etwa noch vor einigen Jahren. So wies unlängst die FAZ in einer Besprechung des Buches der Aussteigerin Heidi Benneckenstein darauf hin, dass die neonazistische Welt immer heterogener werde: „Es gibt Nazis, die rappen, Nazis, die auf Techno-Raves gehen, Nazis, die Graffiti sprühen.“ Junge Leute könnten sich in der Szene verlieren, „ohne dass Eltern, Lehrer oder Mitschüler etwas mitbekommen“. Auch vermeintlich unpolitische „Ballermann-Partys“ passen also gut zur neuen Heterogenität. (mik)